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13. Juni 2013 OTZ, Brit Wollschläger

250 Gäste bei Sahra Wagenknecht in Neustadt: Klöße und Europapolitik

Philipp Gliesing und Sahra Wagenknecht fordern einen Neustart in Europa

Linken-Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht spricht auf Wahlkampfveranstaltung der Thüringer Linken

Neustadt. Im Neustädter Tewa-Saal gibt es oft viel Beifall, meistens bei den Galaabenden des Molbitzer Karnevals und meistens nach einem gelungenen Auftritt. Am Mittwochabend gab es langanhaltenden Beifall schon zur Begrüßung. Der Kreisvorsitzende der Linken im Saale-Orla-Kreis, Thomas Hofmann , begrüßte die stellvertretende Vorsitzende seiner Partei, Mitglied des Deutschen Bundestages und Direktkandidatin im Wahlkreis Düsseldorf-Süd für die Bundestagswahl, Politikerin, Publizistin und Volkswirtschaftlerin Sahra Wagenknecht.

Mehr als 250 Teilnehmer aus dem Saale-Orla-Kreis, aber auch aus den Kreisen Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg waren der Einladung zu der Wahlkampfveranstaltung gefolgt. "Ich bin sehr zufrieden" erklärte der Thüringer Landesvorsitzende der Linken, Knut Korschewsky , Direktkandidat im Wahlkreis 196 (Kreise Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis) der bereits vor vier Monaten den Termin mit der Spitzenpolitikerin im Terminplan fixiert hatte.

Ihm gelang es dann in einem Interview mit Sahra Wagenknecht, die Politikerin sehr persönlich vorzustellen. Man erfuhr, dass sie ihre Freizeit am liebsten im Saarland verbringt, wo sie mit Oskar Lafontaine nahe der französischen Grenze lebt, und dass die Landschaft dort der Landschaft in ihrer thüringischen Heimat sehr ähnlich sei. Sahra Wagenknecht wurde 1969 in Jena geboren und wuchs bei ihren Großeltern in Thüringen auf. Besonders gern habe sie als Kind die Thüringer Klöße gegessen, wie sie ihre Oma machte. Die Bratwurst mag sie nicht so gern. Sie sei schon immer ein Büchernarr und Fernsehmuffel gewesen, erklärte sie. Den Moment des Mauerfalls 1989 habe sie - damals zu Hause im Selbststudium - nicht wirklich mitbekommen.

Ihre knappe Freizeit verbringe sie gern mit Lesen und Schreiben "um geistig fit zu bleiben", wie sie bekannte. Sie nehme sich auch Zeit zum Radfahren und Wandern, zum Erholen. "Wenn man als Politiker in eine Talkshow geht, darf man nicht gestresst sein," so Wagenknecht.

Auch bei der Wahlkampfveranstaltung am Mittwochabend in Neustadt wirkte die 43-Jährige keineswegs gestresst, redete sich dennoch fast in Rage, als sie über die Krise in Deutschland und in Europa referierte. Frei übrigens, in klaren, verständlichen Sätzen. Sie bezeichnete es als zynisch, wenn Politiker anderer Parteien behaupteten, es gehe Deutschland gut und kritisierte es, wenn Betroffenheit gegenüber sozial Schwachen geheuchelt werde, statt zu handeln und "Hartz IV" die gesetzlichen Grundlagen zu entziehen. Sie empörte sich über Dumpinglöhne in Deutschland und die europäische Finanzpolitik, insbesondere die "Finanzverschiebungen zur Eurorettung".

Schließlich stellte sich Sahra Wagenknecht einigen Fragen der Teilnehmer. Unter anderem wollte Philipp Gliesing aus Pößneck wissen, wie man die Partei für Jugendliche attraktiver machen könne. Wagenknecht empfahl Engagement, Ermutigung und Glaubhaftigkeit. Sie bedauerte, dass gerade jene, denen es am schlechtesten gehe, oft resignierten und nicht zur Wahl gingen, weil sie glaubten, nichts ändern zu können.

Nach knapp zwei Stunden verließ Sahra Wagenknecht, noch bis zum Auto Autogramme schreibend, die Veranstaltung in Neustadt. Weiter ging es nach Berlin.