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24. April 2014 OTZ, Sandra Hoffmann

Eltern sind aufgebracht: Höhere Gebühren für Kindergarten im Orlatal

Kleindembach. "Sind erstmal die Kassen leer, halten dann die Eltern her" und "Langenorlaer Kinder gleich Luxuskinder" war unter anderem auf den Plakaten zu lesen, die zahlreiche Eltern zur Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in Kleindembach mitgebracht hatten. Mit ihnen drückten sie ihren Unmut über die ins Haus stehende Gebührenerhöhung für den örtlichen Kindergarten aus und genau diese war wenige Minuten nach Sitzungsbeginn beschlossen: Ohne Diskussion, mit einer Ablehnung sowie einer Stimmenthaltung hat der Gemeinderat Langenorla die neue Gebührensatzung für die gemeindeeigene Kindertageseinrichtung "Zwergenland" rückwirkend zum 1."April 2014 verabschiedet.

"Das ist eine unglaubliche Erhöhung. Ich begreife den Gemeinderat nicht", äußerte sich Ralf Milde in der an die Gemeinderatssitzung anschließenden Einwohnerfragestunde als Erster aus der teils fassungslosen, teils aufgebrachten Zuhörerrunde. "Mit welchem Recht werden die Gebühren um über 100 Prozent erhöht?", fragte er. Und warum die zusätzliche Förderung seitens der Gemeinde jetzt plötzlich und unerwartet nicht mehr komme, wollte er wissen.

Mit dem Beschluss der neuen Gebührensatzung sind die Elternbeiträge für die Nutzung des Kindergartens "Zwergenland" entsprechend des zu Anfang dieses Jahres gefassten Ankündigungsbeschlusses erhöht worden. Das heißt, dass die Eltern rückwirkend zum 1. April monatlich für einen Ganztagesplatz für ihre ein- bis zweijährigen Kinder 320 Euro statt bisher 170"Euro, für ihre zwei- bis dreijährigen Kinder 290 Euro und für ältere Kinder bis zum Schuleintritt 270 Euro statt 120"Euro zahlen sollen. Darüber hinaus hat der Gemeinderat seinen ebenfalls zu Jahresanfang gefassten Ankündigungsbeschluss, ab 1. April die Benutzungsgebühren für ortsansässige Kinder zu bezuschussen, einstimmig aufgehoben. Ursprünglich wollte die Gemeinde ihren ortsansässigen Kindern den Ganztagesplatz zusätzlich mit 100 Euro und den Halbtagesplatz mit 70"Euro fördern.

"Mit der Gebührenerhöhung, die wir jetzt durchgeführt haben, sind wir noch nicht mal bei den Vollkosten. Die Gemeinde stützt den Kindergarten nach wie vor mit über 80"000 Euro", wies die stellvertretende Bürgermeisterin Petra Fischer (Bündnis für Langenorla) hin. Mit dem vorliegenden Jahresabschluss für das vergangene Jahr wird offenbar, dass für den Haushalt 2014 im Verwaltungshaushalt eine Finanzierungslücke von circa 80"000 Euro klafft. Die gestiegene Kreisumlage und die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst belasteten den Gemeindehaushalt, nannte Bürgermeister Georg Graven (Bündnis für Langenorla) Gründe, weshalb die Gemeinde die zunächst geplanten Zuschüsse für die Kindergartenplätze nicht mehr finanzieren könne.

In Kleindembach koste ein Kindergartenplatz im Durchschnitt aller Altersgruppen 600"Euro pro Kind, sagte der Bürgermeister auf Anfrage der Eltern. Die Betreuung eines Kindes ab Ende des 1."Lebensjahres bis zum vollendeten 2. Lebensjahr koste weit über 1000 Euro.

"Was ist mit der Fremdkostenpauschale für die Kinder, die gehen werden - und es werden einige gehen", sagte Susanne Kaiser. "Das kann sich doch nicht rechnen?" Er sei sich darüber im Klaren, dass es Abmeldungen aus dem Kindergarten geben wird, sagte Georg Graven. Wie stark der Weggang sein werde, wisse er allerdings nicht.

"Ich bin hierher gezogen, weil die Gemeinde einen kinderfreundlichen Ruf hatte. Jetzt ärgere ich mich ein bisschen", äußerte Max Heidelberger, der erst seit wenigen Wochen im Orlatal wohnt. Was andere Gemeinden denn anders machen, fragte er. Die Trägerschaft der Kindereinrichtung und die wirtschaftliche Lage der Kommune spielten eine Rolle, antwortete der Bürgermeister. "Langenorla hat kein Gewerbegebiet und kein sprudelndes Gewerbe", sagt er.

Bezüglich eines freien Trägers für den Kindergarten "Zwergenland" sei das Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht, informierte Petra Fischer. "Aber die freien Träger stehen nicht Schlange", sagte sie. Bei einer Übernahme des Kindergartens durch einen freien Träger sei auch entscheidend, dass dieser die inhaltlichen Konzepte des Kindergartens übernehme.

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