Aktuelle Kampagnen

Ausstellung Vereint sind wir stark
15. Juli 2014 Redaktion / BIG e.V.

Gemeinsamkeit ist die Grundlage des Erfolgs – auch im Gesundheitswesen und nicht nur bei Fußballweltmeistern

Philipp Gliesing, Roberto Milde und Andreas Gliesing im Gespräch über solidarische Gesundheitsversorgung.

Pressemitteilung der Bürger Initiative Gesundheit e.V.

Mit großem Interesse und mit Begeisterung haben wir die Kommentare zu den Leistungen des deutschen Fußballteams bei der Weltmeisterschaft 2014 zur Kenntnis genommen. Wir würden uns wünschen, mit ähnlich positiven Gefühlen auf das deutsche Gesundheitssystem zu blicken, das sich leider sehr viel weniger erfolgreich zeigt. Die Ursachen für das Versagen der deutschen Gesundheitspolitik haben wir dem Erfolgsgeheimnis unserer Nationalmannschaft gegenüber gestellt:

Das Management (= Politik) agiert seit Jahrzehnten ohne nachhaltige Strategie, Taktik und Mannschaftsgeist. Daher die vielfältigen, unterschiedlichen Gesetze und die immer desaströser werdende Leistung des Systems mit ausuferndem administrativem Aufwand.  
 
Der vom Management beauftragte Trainer (= die gesetzliche Krankenkasse) orientiert sich an der Realisierung von Rationierung, Priorisierung, Selbstbeteiligung der Bürger und Kürzung der Vergütung für die Berufsgruppen und Institutionen  der Versorgung (= die Mannschaft). Der
bürokratische Aufwand des/der Trainer(s) verhindert eine Effizienz der Mannschaftsleistung im Gesundheitswesen und den Einsatz der vorhandenen exzellenten Ressourcen.
 
Der Mannschaft (bestehend aus Medizinern, Therapeuten, Mitarbeitern der Pflege, den Apothekern, den stationären Einrichtungen, den Alten- und Pflegeeinrichtungen, den Industrieunternehmen des Gesundheitsmarktes etc.) mangelt es am Teamgeist. Sie war schon immer und es wird schlimmer – zu stark an individuellen Eigeninteressen interessiert. Und so geschieht es, dass die einzelnen Spieler der Mannschaft eher gegeneinander als miteinander spielen.  
 
Der mangelnde Teamgeist liegt auch sehr stark am Trainer (= die gesetzliche Krankenkasse): Er dünnt die ohnehin spärlich vorhandenen Schnittmengen weiter aus und das führt zu minimalisierten Gemeinsamkeiten. Diese Konkurrenzsituation zwischen den Spielern (= Berufsgruppen) wiederum
beeinträchtigt die Effizienz der Versorgung, Behandlung und Betreuung der Bürger (= Pokal, Geldgeber und Zuschauer in Personalunion) im deutschen Gesundheitswesen extrem negativ.  
 
Verschärft wird das Ganze noch dadurch: Das Management bildet mit dem Trainer eine Front gegen die Mannschaft und fordert von ihr verschärften Wettbewerb innerhalb der Mannschaft und Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Orientierung auf Senkung des Aufwands. Gleichzeitig erwartet dieses destruktive Führungsteam von der Mannschaft, das ihr das unter rein
marktwirtschaftlichen und ausschließlich ökonomischen Aspekten gelingt.

Hinzu kommt, dass eine Vielzahl unaussprechlicher Institutionen (G-BA, IQWIG, AMNOG, InEK, BVA und viele mehr) oft völlig widersprüchlichen Einfluss auf Management und Trainer nehmen und damit deren Entscheidungen erschweren. Und den Bürger (= Geldgeber) Unsummen an Geld kosten. Kostenlose Einflussnahme gibt es dagegen von den Lobbyisten (= Sponsoren) unterschiedlichster Herkunft, denen der Bürger (=Zuschauer) die Hauptverantwortung an dem miesen Spiel zuweist. Kein Wunder, er sieht die Bandenwerbung und vermutet deshalb völlig zu Recht einseitige, finanzielle Interessen dieser Einflussnahme am Spielverlauf. Aber der Hauptverursacher der Misere ist der Lobbyist nicht.  
 
Dass das daraus resultierende holprige und aggressive Spiel der Mannschaft wenig begeisterte Zuschauer findet ist kein Wunder. Der Bürger hat keinen Grund zum Jubeln, da er (obwohl Geldgeber) keinen direkten Einfluss nehmen kann und zudem ständig von Verletzungen der Spieler hört (= lange Wartezeiten beim Arzt, unhygienische Krankenhäuser, mafiöse Strukturen bei der Industrie, unfähige Pflegedienste etc.). Die Intransparenz zu dem Verhalten von Management, Trainer und Mannschaft führt zu weiterer Resignation und Gleichgültigkeit des Bürgers – dem überwiegenden Teil der Bevölkerung.  
 
Unter diesen Rahmenbedingungen werden wir im Gesundheitswesen mit verstärkten Einbußen der Mannschaftsleistung zu leiden haben und dies bei steigenden Eintrittspreisen (= Beiträgen).  
 
Durch die Herstellung von Gemeinsamkeiten mit einem zukunftsorientierten, unabhängigen und fachkundigen Management, einem motivierten Trainerteam, welches die Interessen der Bürger und der Mannschaft zu größtmöglicher Effizienz umsetzt und einer Mannschaft, die miteinander und
nicht gegeneinander spielt könnten wir dagegen auch im Gesundheitswesen zum Weltmeister werden. Die Grundlagen sind gegeben.
 
Unser Bundesvorstand  fordert ein totales Umdenken von allen Akteuren im Gesundheitswesen und die Priorisierung aller Maßnahmen auf den Nutzen aller Bürger.  

 

Philipp Gliesing zur Situation im Wahlkreis:

"Die in der Pressemitteilung der Bürgerinitiative Gesundheit e.V. beschriebenen Missstände im deutschen Gesundheitswesen sind mir als Direktkanditat der Thüringer LINKEN in meinem Wahlkreis sehr deutlich und konkret vor Augen geführt worden, nämlich in der Bekanntschaft mit dem an ALS erkrankten Roberto Milde aus Pößneck und der aktuell Hilfe suchenden Jasmin Schmeißer aus Ranis.

In beiden Fällen weigerten sich die Krankenkassen, die Kosten der dringend notwendigen Hilfsmittel für die Bewältigung des Lebensalltages zu übernehmen, so dass Spendenaktionen vor Ort ins Leben gerufen werden mussten.

Wie krank ist denn unser Land, wenn einerseits Millionen in fragwürdige Drohnen-Projekte gesteckt werden sollen und andererseits erkrankten Menschen aus Kostengründen ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben versagt wird?

Die Beispiele von Roberto Milde und Jasmin Schmeißer zeigen, dass sich das fortschreitend kapitalorientierte Gesundheitswesen unseres Landes vom gesellschaftlichen Konsens einer Solidargemeinschaft zunehmend verabschiedet.

Da kann man unsere christdemokratische Ministerpräsidentin Frau Lieberknecht nur fragen: Sind wir denn unter die Wölfe gefallen? Selbst Affen würden mit ihren kranken Artgenossen nicht so umgehen."