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9. Januar 2015 Detlef Stöcker

Viele wünschen sich Höllentalbahn zurück

Blankenstein. Am 11. April 1945 fuhr der letzte Zug von Blankenstein nach Marxgrün. Zwei Tage später rückten die amerikanischen Truppen in Lichtenberg ein und dann verkehrten auf der Strecke durch das Höllental noch einige Militärzüge. Am 2. Juli kamen Soldaten der Roten Armee nach Blankenstein. Der Schienenstrang wurde unterbrochen, die Demarkationslinie bewacht und die spätere innerdeutsche Grenze immer mehr ausgebaut.

Als sich am 2. Dezember 1989 zwischen Ost und West ein großes Loch im Metallgitterzaun auftat und ein Grenzübergang für Fußgänger eröffnet wurde, geschah dies auf dem noch vorhandenen Bahndamm. Die Strecke durch das Höllental wieder in Betrieb zum nehmen, fordern viele Bürger der Region. Auch die Zellstofffabrik in Blankenstein würde sie gern für den Gütertransport gen Süden nutzen.

Auch Zellstofffabrik hat Interesse

 

Doch im Nachbarkreis Hof war der letzte Güterzug am 23. Mai 1971 bis zum Bahnhof Lichtenberg gerollt. Die Anlagen verfielen und im Frühjahr 1979 brach man das Bahnhofsgebäude in Hölle ab. Ab Ende 1981 wurden auch die Gleise ab der Grenze und durch das Höllental entfernt. Die Eingänge der Tunnel mauerte man zu.

Von Triptis über Ziegenrück, Lobenstein und Blankenstein wurde ins Oberland um 1895 eine Bahnstrecke gebaut. Am 15. Juli 1897 kam der erste Zug in Blankenstein an. Nun fehlte noch das 6,3 Kilometer lange Teilstück nach Marxgrün. Die Streckenführung war schwierig. Anfang Januar 1900 begannen die Arbeiten und am 14. August 1901 rollte der erste Zug durch das Höllental. Zunächst verkehrten fünf und ab 1927 sechs Personenzugpaare sowie Güterzüge auf der Strecke. Ab 1908 konnte das Gleis von Hockenroda über Wurzbach nach Lobenstein genutzt werden. Eine Strecke führte von Hof nach Saalfeld mit Anschluss an die Schnellzugstrecke Berlin-München.

Die Besitzer der großen Schieferbrüche in der Region um Lehesten waren an einem Bahnanschluss sehr interessiert. Eine 7,6 Kilometer lange Strecke wurde von Ludwigsstadt bis Lehesten am 1. Dezember 1885 eröffnet. 5,3 Kilometer lagen auf bayerischem und 2,3 Kilometer auf thüringischem Gebiet. Zirka 25 Minuten dauerte die Fahrt der täglich vier Personenzugpaare. Bis in den Staatsbruch bei Lehesten und in den Bruch des Besitzers Oertel in Schmiedebach wurden Teilstrecken gebaut. Bis Sommer 1945 war die Strecke in Betrieb. Die amerikanischen Soldaten hatten Thüringen, so wie im Vier-Mächte-Abkommen von Potsdam vereinbart, verlassen und die sowjetischen Soldaten kamen. Einer der ersten Befehle: Der Zugverkehr wird eingestellt. Erst 1947 vereinbarte man, dass ab dem 17. Juni die Deutsche Reichsbahn einen Transitverkehr von Probstzella über Ludwigsstadt nach Lehesten wieder aufnehmen durfte.

Die Deutsche Reichsbahn der inzwischen gegründeten DDR stellte am 12. Juli 1961 den Güterverkehr wieder ein. Lehestener Schiefer wurde auf der Straße zum Bahnhof Lichtentanne gefahren und dort verladen. Ein Jahr später war die Bahnstrecke bis zur Landesgrenze verschwunden. Die einst großen Vorkommen des blauen Goldes sind erschöpft, die Bahnstrecke wird nicht mehr benötigt. Anders ist die Lage in Blankenstein. Alle Bemühungen der ­Geschäftsführung der ZPR, die Bahnstrecke nach Marxgrün wieder zu aktivieren, blieben aber bislang erfolglos.

Übrigens verkehrte nach Kriegsende der erste Schnellzug auf der Strecke zwischen Berlin und München erst wieder am 10. September 1949. Der letzte Zug auf der Oberlandbahn zwischen Triptis und Lobenstein fuhr am 23. Mai 1998. Mit dem Ausbau auf je drei Fahrspuren der A 9 verschwand auch die Bahnbrücke bei Moßbach.

Quelle: OTZ, Kuebrich