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25. Januar 2016 Detlef Stoecker

Informationsbesuch des Landtags-Abgeordneten Ralf Kalich, im Erstaufnahmelager Gera

Vor der Erstaufnahme in Gera

Nach dem Check in bei der Wache gelangt man auf das Freigelände der Erstaufnahmeeinrichtung, wo der Abgeordnete Kalich und seine beiden persönlichen Mitarbeiter_In, vom Leiter der Einrichtung empfangen wurden. Gleich danach ging es zum Rundgang durch die verschiedenen Stationen. Auffällig, es sind mehrheitlich Familien und nicht wie in den Social Media Plattformen immer wieder geschilderte „alleinreisende Männer“. Vielen Kindern sieht man die Strapazen der Flucht an. Doch scheu und zaghaft erwidern sie das Lächeln der Besuchrgruppe und tauen nach einiger Zeit sogar auf und verleihen ihrer Freude Ausdruck indem sie nicht müde werden ihre wenigen deutschen Begriffe, wie „Hallo!“,  „guten Tag“ oder „wie geht’s?“ an die Frau und an die Männer zu bringen.

Im folgendem kurzen Gespräch mit den Mitarbeiter_Innen des Thüringer Landesverwaltungsamtes erfährt der Abgeordnete, dass an der Qualität der Verpflegung dringend Nachbesserungsbedarf besteht. Danach erreicht die Besuchergruppe die medizinische Erstuntersuchungsstation. Die diensthabende Ärztin und das medizinische Personal berichten, dass sie für den Tag, die Erstuntersuchungen abgeschlossen haben, da gerade eine Umverlegung die Außenstelle der Erstaufnahme Bad Lobenstein ausgeführt wird. Der Leiter der Einrichtung und das Ärzteteam erklärt den Regelablauf:

„Meist Nachts kommen die von Bayern kommenden Flüchtlinge, in der Erstaufnahmeeinrichtung Hermsdorf an, dort werden die Flüchtlinge erst einmal zum Schlafen gelegt. Morgens erfolgt die Weiterleitung an die Erstaufnahmezentren, wo die medizinische Erstuntersuchung und weitere Registrierung der Flüchtlinge und ihrer Familien ausgeführt wird. Nach dem Vorliegen der Befunde, werden die Kriegsflüchtlinge bei ausreichender gesundheitlicher Eignung in die kleineren Erstaufnahmeeinrichtungen über das Land Thüringen verteilt, wie zum Zeitpunkt unseres Besuchs, nach Bad Lobenstein. Aufenthaltsbewerber die einen zusätzlich nachzuprüfenden oder negativen Ausgang ihres Asylverfahrens Bescheid haben kommen nach Suhl, wo abschließend über deren Aufenthalt oder Ablehnung entschieden wird.

Das Ärzteteam erklärt auf Anfrage, dass kaum ernsthafte Erkrankungen vorlägen, es gebe den ein oder anderen Fall wo eine sofortige Behandlung notwendig sei, allerdings ist dem nicht so wie in Social Media Kanälen immer wieder verbreitet werde, dass viele der Flüchtlinge schwere Infektionskrankheiten einschleppten – dies sei, so die leitende Ärztin ausdrücklich, üble Hetze! Sie selbst kann sich, entgegen vieler reißerischer Hetzartikel in den „Sozialen Kanälen“ nicht daran erinnern, dass einmal ein männlicher Flüchtling ihr als Frau und Ärztin versucht hätte zu nahe zu kommen oder gar eine Untersuchung durch sie als Frau verweigert oder seiner Familie vorenthalten hätte. Die verbreiteten Meinungen, haben meist mit der Realität absolut nichts zu tun.  Schließt sie ihre Ausführungen.

Die darauffolgenden Gespräche kommen zum selben Ergebnis. Der Einsatzleiter der in der Erstaufnahme untergebrachten Polizeiwache führt aus, dass bei bislang 9000 durch die Erstaufnahme gegangenen Personen am Standort, keinerlei erhöhte Kriminalität ergeben hätte, im Gegenteil. Es gäbe zwar Eigentumsdelikte, dass z.B. mal ein Handy von einem anderen Flüchtling geklaut werde, oder auch mal eine Rempelei, aber nicht mehr als bei deutschen Staatsbürgern auch, eher sogar weniger. Neu sei für Viele Flüchtlinge, dass die Polizei unvoreingenommen bei deren Behandlung und Anzeigenaufnahme und –behandlung vorgeht. Das kennen die so aus deren Heimatländern nicht. Zu den Thüringer Beamtinnen und Beamten hätten die Heimbewohner allerdings schnell vertrauen gefasst, aufgrund ihres unparteiischen und professionellen Auftretens, schließt der Oberkommissar seine Ausführungen.

Beim abschließenden Gespräch mit dem Leiter der Einrichtung vom DRK und einem leitenden Angestellten der SRH, wurde noch auf die dringenden Verbesserungs-Bedürfnisse hingewiesen, die sich vor Allem in der Bausubstanz widerspiegelt. Die Protagonisten geben jedoch ihrer Hoffnung Ausdruck, dass mit der letztlichen Klärung der Eigentumsfrage Anfang Februar, die Voraussetzungen für eine zügige Schadensbeseitigung geschaffen wäre. Beide, der Leiter der Einrichtung, wie auch der Mitarbeiter der SRH, freuen sich darüber, dass es gelungen ist, aus Spenden über die SRH-Stiftung im Frühjahr einen Volleyballplatz und Kinderspielplatz im Freigelände zu errichten, damit die vielen Kinder im Objekt etwas mehr Bewegungsraum bekommen.

Mit vielen guten Antworten auf seine Fragen und einem überschaubaren Wünsche-Katalog verabschiedete sich der Abgeordnete Ralf Kalich und versprach sich in Erfurt, für die berechtigten Optimierungsvorschläge einzusetzen.