Flyer für Thüringen rockt! mit Konstantin Wecker am 17.06.2017 in Erfurt, Messehalle
17. August 2017 WKB Ralf Kalich

Jenseits von "Käffchen, Häppchen- und Schnittchen-Politikerbesuchen" in der Realität des Wassertourismus in Thüringen.

Während der Tour ergaben sich  Gespräche mit am Einstieg zufällig angetroffenen Fahrgast- und Kreuzfahrt-Schiffern, Bootsvermietern, Natur-Kanuguides und einem Autor, der an einem Buch über Rudolstadt arbeitet.

Um die Potenziale und Verbesserungsansätze des Aktivtourismus in der Rennsteig-Saale-Region, selbst aus erster Hand zu erfahren, begann die Bereisung zum Auftakt, mit einer respektablen 20 Kilometer Tour von Saaldorf bis zum SEZ Kloster.

Nach Radtouren und Begleitung per Pedes von Wandergruppen folgt nun also das dritte Element des Aktivtourismus, das Wasser.

 

Saalekaskade, Bleilochtalsperre auch Thüringer Meer genannt
Ein zentrales Problem ist, dass es von Harra am "Campingplatz am Trepplesfelsen", bis Saalburg keine wassernahe Gastronomie mehr gibt oder diese, mit den Mitteln des Wasserwanderers, nicht zu entdecken ist. Warum beim Freizeitpark Saaldorf nach langjährigen Diskussionen seitens des Landratsamts Saale-Orla, dem Eigentümer und Betreiber keine Einigung im Sinne der Tourismusentwicklung gibt, ist schlichtweg unverständlich. Das Regionale Entwicklungskonzept, weisst den Ferienpark Saaldorf als einen der Schlüsselstandorte für die Entwicklung des Wassertourismus auf der Saalekaskade aus. Wohl hört man die CDU-Mitglieder des SOK immer wieder von "mangelnder Hilfe durch das Land lautstark und medial wirksam wehklagen", aber es erweist sich als Theaterdonner, denn das CDU geführte Landratsamt hat es selbst in der Hand, dem Betreiber endlich die Bewilligungen zu erteilen und nicht weiter zu blockieren.

Von den Protagonisten der Fahrgastschifffahrt war zu vernehmen, das selbst in der amtlichen Beschilderung gemäß der Binnenschifffahrtstraßenordnung, das Landratsamt Saale-Orla, scheinbar überfordert ist, diese Schilder sachlich richtig zu installieren, was bei privaten Bootseignern immer wieder zu Irritationen führt.

Das Land wird gebeten, die nicht Förderfähigkeit der Gastschifffahrt in Thüringen zu überprüfen um auch dieses praxisferne Relikt aus 24 Jahren unionsgeführter Regierung im Interesse der Betreiber und Menschen zu lösen.

Anhand der selbst gesehenen vielen Boote mit Maschinenantrieb durch Verbrennungsmotor, drängt sich die Frage auf, wieviele der Boote, ohne sichtbar angebrachte Kennzeichen gemäß Stauseeverordnung, die vom Landratsamt Saale-Orla zugeteilt werden, die Zulassungsverordnung für die Saalekaskade unterlaufen. Seitens der Fahrgastschifffahrt spricht man von 50% durch eigene Inaugenscheinnahme, stellten wir 30 - 50% Motorboote ohne oder ortsfremde Kennzeichen als real fest.

Ungeklärt ist auch die Frage, wie der Kraftstoff zu den Booten gelangt. Wohl regelt die Stauseeverordnung die Betankung der Boote beim Stillliegen an Steg oder Boje, die Kernfrage, wie die Wassersportler den Kraftstoff legal zu den Booten verbringen können bleibt das LRA SOK allerdings schuldig. Ottokraftstoff dürfen nur 5 Liter und Dieselkraftstoff nur 10 Liter legal in einem PKW mitgeführt werden, alles darüber unterliegt den Gesetzmäßigkeiten eines Gefahrguttransports. Hier nachzubessern, um die Wassersportler aus dem defakto verfügten Gang in die Illegalität zu befreien muss das Landratsamt dringend und zeitnah Lösungsvorschläge nachliefern.

Die Belastung durch Cyanobakterien (Blaualgen) ist in den letzten Jahren deutlich verstärkt wahrzunehmen. Cyanobakterien bilden leberschädigende- und Kontaktgifte. Auffällig ist, dass die Gesundeheitswarnungen wie bereits im Vorjahr erst nach der SMS, seitens des Landratsamtes ausgesprochen werden und diese dann auch nicht konkret genug und zu schwammig formuliert. Im Interesse der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger, sowie der Haustiere, muss die Forderung an den Landrat formuliert werden, hier schneller, entschiedener und zeitnäher zu handeln. Im Münsterland gibt es sehr gute Resultate, die Cyanobakterien mit Ultraschall zu bekämpfen der Einsatz solcher Anlagen durch den Landkreis sollte hier dringend geprüft werden. Cyanobakterien interagieren mit den zur Verfügung stehenden Nährstoffen im Gewässer. Die Kreis-Umweltverantwortlichen sollten diesbezüglich die Nitrat-, Stickstoff- und Phosphorwerte sowie alle weiteren relaventen Daten analysieren und mit den Einleitern dieser Nährstoffbelastung eine Lösung der Problematik erarbeiten.

Es bleibt dem Landrat und seinen Parteigängern anzuraten, sich zuerst um die Lösung der vorgenannten Problemfelder zu kümmern, anstatt billige Polemik zu betreiben. Die Fördergelder des Landes stehen bereit und könnten abgerufen werden, z.B. auch für die Anschaffung und Installation einer Fäkalhebeanlage für Sportboote im Bereich der ufernahen Kläranlage bei Saalburg-Beach.

 

Fließende Saale ab Rudolstadt

Die Saale von Rudolstadt Bleichwiese nach Uhlstädt Flößermuseum ist ein bereisenswerter Flussabschnitt von hohem touristischem Wert. Die Ein- und Ausstiegsstellen mit EU- und Landesmitteln gefördert bedürfen der stärkeren Pflege durch die Kommunen in deren Gemarkung diese liegen. Hinweisschilder müssen freigeschnitten und vom Wasser aus erkennbar gehalten werden und die Umtragestellen sollten dringend vom weichen angespülten Faulschlamm befreit werden. Andere Umtragestellen bedürfen der Nachbesserung durch jedermenschtaugliche Schwimmpomntons an Ein- und Ausstiegen und diese müssen so gestaltet werden, dass die Benutzung ohne Abrieb der Boote und Eintrag von Microplastik in den Fluss durch steinige, verblockte, offizielle Anlandestellen, ermöglicht wird. Unterhalb von Wehren der Wasserkraftanlagen muss das Ablegen und weiterpaddeln ohne mitten im Fluss aussteigen zu müssen, realisiert werden, dazu reicht oftmals eine pflegerische Maßnahme durch eine Vertiefung im Schotterbett des Wehrarms bis zum Hauptstrom. Die Spuren des tagscheuen "Meister Bockert", dem Biber sind ab Weißen an den Ufern zu beiden Seiten zu sehen, hier böte sich die Einrichtung einer geführten Kanu-Bibertour in der Dämmerung an.

Sehr gut gefiel dem Abgeordneten die freundliche, sachkundige und professionelle Beratung in der Touristinformation Uhlstädt, direkt am Flößermuseum und die von Fachwissen geprägte Führung durch das Flößermuseum, die von der Mitarbeiterin der Touristinformation durchgeführt wurde.

 

Saale von Orlamünde nach Kahla

Mit einem versierten Kenner der Situation rund um den Wassertourismus auf der Saale, Michael Oechsner, Inhaber von "Abenteuer in Thüringen", war der Abgeordnete am dritten Tag der Saaleereisung, von Orlamünde nach Kahla unterwegs.

In einer angeregten Fachdiskussion über die Potenziale, Realität und teils die Ignorranz aus Unkenntnis und Desinteresse von einzelnen Mitarbeiter_Innen öffentlicher Verwaltungen, erfährt Ralf Kalich viel von dem unermüdlichen Einsatz einzelner Protagonisten und deren Erfolgsrezept.

Michael Oechsner erklärt als ausgebildeter Kanuguide und Naturführer viel Wissenswertes, um den wieder heimischen Biber an der Saale, Eisvögel, Wasseramseln und Schwarzblaue Prachtlibellen. Auch die Problematik des aggressiven Brutverhaltens einiger, aus holländischer Zucht entkommener Nilgänse wurde thematisiert, ebenso wie die bereits beobachteten Minks, die sich sogar am Bootshaus Orlamünde tummeln und die gemeinsam mit den Nilgänsen, vermutlich für den Rückgang der Stockentenpopulation verantwortlich sind.

Vorbei am beeindruckenden "Orla-Mündungsdelta" (O-Ton-Calauaer von Michael Oechsner) paddelten wir über die langen Schweife des "Flutender Wasserhahnenfuß" einem echten Hahnenfußgewächs, das im Wasser wächst, bis zum Wehr von Kahla. Die Raftgruppe von "Abenteuer in Thüringen" befuhr unter sachkundiger Anleitung die Floßgasse, ein Relikt der Saaleflößerei und am Wasserwanderrastplatz Kahla, verabschiedeten wir uns von Michael Oechsner und dankten für die eindrucksvolle Revierbegleitung.

 

Als Fazit bleibt, dass es ist wie schon mehrfach erlebt. Einige kommunale Protagonisten warten dass sie "zur Jagd getragen werden" und proklamieren lautstark die fehlende Unterstützung durch das Land. Kleingeistiges parteipolitisches Kalkül, das an die Comicreihe Isnogud erinnert (wären so gern Kalif anstelle des Kalifen) und mangelndes Fachwissen bei einigen Protagonisten verhindern die dringend anstehenden Lösungen. Dies ist ein weiteres Indiz, für die dringend anstehende Verwaltungs- Kommunal- und Gebietsreformum die egoistische "Kleinstaaterei", in einem für das Land so wichtigen Thema zu überwinden und endlich eine tragfähige Wassertourismus-Region zu ermöglichen, die auch jungen Menschen zusätzliche berufliche Perspektiven bietet, wirtschaftlich in ihrer Geburtsregion leben und arbeiten zu können.