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Rundumschlag zum Arbeitsleben in Corona-Zeiten

MdL Lena Güngör und Ralf Kalich erkundigen sich bei einem arbeitsmarktpolitischen Gespräch in der Agentur für Arbeit Altenburg-Gera über die Lage in Ostthüringen

Die Abgeordneten Lena Saniye Güngör und Ralf Kalich erkundigten sich am 27.10.2020 im Gespräch mit der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Altenburg-Gera über die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Ostthüringen. Neben einem Austausch über die Beschäftigungsquote und Lohnentwicklung stand natürlich auch der Umgang mit der Corona-Pandemie im Mittelpunkt.

So sind im Saale-Orla-Kreis 4.500 Personen von ca. 10.000 Beschäftigten in Kurzarbeit. Etwa 1000 von 3000 Betrieben mit mindestens 1 Beschäftigten beantragten Kurzarbeit, nehmen sie aber zum Teil nicht immer komplett in Anspruch. Die Abgeordneten erkundigten sich über das dreistufige Prüfungsverfahren. Bei unsachgemäßer Verwendung erfolgen Kontrollen durch das Zollamt.

Für den Agenturbereich konnte von August zum September 2020 zwar ein überdurchschnittlicher Rückgang der Arbeitslosenzahlen (-592 bzw. 4,8%) vermerkt werden, doch im Vergleich zum Vorjahr gibt es eine Zunahme (+1.143). Auch in den verschiedenen Kohorten (Jugendliche, Ü50, Nicht-Staatsbürger) ist gegenüber 2019 eine leichte Zunahme der arbeitslos gemeldeten Personen zu verzeichnen. Als einstellende Branchen sind vor allem das Verarbeitende Gewerbe (Produktion), das Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch Baugewerbe und Öffentlicher Dienst zu nennen. Im September gab es im Saale-Orla-Kreis 1.016 freie Arbeitsstellen, 2019 waren es noch 101 Stellen mehr.

Die Arbeitslosenquote ist mit 4,8% (2019: 4,1% / Pößneck: 5,1%, Schleiz: 4,0%) im Saale-Orla-Kreis auch weiter auf einem niedrigen Niveau – die drittbeste Beschäftigungsquote in Thüringen. Jedoch darf das nicht über das niedrige Lohnniveau hinwegtäuschen, welches zu den bundesweiten Negativ-Top-Ten zählt, und von dem vor allem Frauen betroffen sind. Gründe liegen hier vor allem in saisonalen Arbeitsverhältnissen und der „verlängerten Werkbank“ im produzierenden Gewerbe. Zur Durchsetzung von besseren Löhnen muss deshalb die gewerkschaftliche Interessenvertretung für die Beschäftigten eine stärkere Rolle spielen.

Das niedrige Lohnniveau spiegelt sich auch in der relativ hohen Zahl der „Ergänzer“ wieder, deren Einnahmen nicht über das Existenzminimum hinausreichen und die somit auf „Hartz-IV“ angewiesen sind. Erfreulicherweise zeigt die Statistik zu den Bedarfsgemeinschaften trotz der Corona-Pandemie bislang keinen drastischen Anstieg – im Saale-Orla-Kreis haben Selbstständige bislang nur vereinzelt oder vorübergehend einen Antrag auf Arbeitslosengeld-II gestellt.

Für MdL Ralf Kalich, Sprecher für Landesentwicklung, stellt sich der Fachkräftemangel im Bereich der Pflege und Gesundheit als größere Herausforderung dar. Eine Personalentwicklung, wie am Krankenhaus Schleiz, ist unverantwortlich. Deshalb ist die von der Gewerkschaft geforderte Durchsetzung von besseren Arbeitsbedingungen und Löhnen jetzt so wichtig. Nur so kann die Abwanderung von Beschäftigten aus dem Saale-Orla-Kreis verhindert werden. Vor allem Auszubildende müssen hier gehalten werden.

Mit Blick auf die Entwicklungen im Bildungsbereich begrüßt MdL Lena Saniye Güngör, Sprecherin für Arbeitsmarkt- und Gewerkschaftspolitik, die Maßnahmen im Berufsberatungsbereich, die darauf abzielen den Kontakt zu den Schulabgängern herzustellen und somit den Weg in die Jugendarbeitslosigkeit zu vermeiden. Aktuell sind im Agenturbereich Altenburg-Gera 1.117 Personen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung, das sind 102 mehr als 2019. Die Agentur für Arbeit will mit dem Konzept der „Jugendhäuser“ und einer Jugendberufsberatung gegensteuern, und auch über soziale Medien den Kontakt zu jungen Menschen intensivieren.

Die Agentur hat ihre Kapazitäten für die Digitalisierung ausgebaut, führte bereits vereinzelt Online-Beratungen durch und setzt zukünftig u.a. auf verschiedene App-Angebote, um den Kundendialog zu verbessern. Die einmalige Identitätsprüfung stellt sich jedoch noch als eine Hürde dar, denn diese müsse nach wie vor in den Servicestellen der Agentur erfolgen. Innerhalb der Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit gilt ein strenges Hygienekonzept, welches längere Gespräche und einen Aufenthalt von Kunden stark begrenzt. Den Mitarbeiterinnen wurde auch die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten eröffnet, um so die Zahl der Personen im Haus zu reduzieren. Um den Kundendialog aufrecht zu erhalten und den hohen Beratungsbedarf telefonisch abzudecken, wurden Stellen intern auf den Servicebereich konzentriert. Dadurch sind im Leistungsbereich aktuell weniger Mitarbeiterinnen tätig. Insgesamt gibt es 108 Stellen in der Arbeitsagentur Altenburg-Gera.

Die MdL Lena Saniye Güngör und Ralf Kalich bedankten sich für die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen in Agentur für Arbeit trotz der Virus-Pandemie und wollen sich dafür einsetzen, dass sie zukünftig als sogenannte „systemrelevante Berufsgruppe“ gelten.